Verhalten und Lebensweise

Sozialstruktur und Familienleben
Dachse gehoeren zu den wenigen Marderartigen, die in stabilen Familiengruppen leben. Ein Clan besteht typischerweise aus einem dominanten Paar, ihren Nachkommen aus verschiedenen Jahren und gelegentlich weiteren verwandten Tieren. In Mitteleuropa umfassen solche Gruppen meist drei bis acht Individuen.
Das Zusammenleben in der Dachsburg erfordert ein ausgepraegtes Sozialverhalten. Die Tiere pflegen sich gegenseitig, spielen miteinander und kommunizieren ueber ein breites Spektrum an Lauten: von tiefem Grollen ueber Fiepen bis hin zu lautem Kreischen bei Konflikten.
Tagesrhythmus
Als daemmerungs- und nachtaktive Tiere verbringen Dachse den Tag im schuetzenden Bau. Erst in der Abenddaemmerung verlassen sie vorsichtig ihren Kessel, verharren oft minutenlang am Eingang, um die Umgebung mit Nase und Ohren zu pruefen, bevor sie zur Nahrungssuche aufbrechen.
Die naechtlichen Streifzuege fuehren die Tiere durch ihr Revier, wo sie an bevorzugten Stellen nach Nahrung suchen. Gegen Morgengrauen kehren sie zurueck in den Bau. Im Hochsommer, wenn die Naechte kurz sind, beginnt die Aktivitaet frueher und endet spaeter.
Naechtliche Aktivitaet
Dachse legen bei ihrer naechtlichen Nahrungssuche oft mehrere Kilometer zurueck. Sie folgen dabei festen Wechselpfaden, die sich ueber Jahre in die Landschaft einpraegen.
Ruhephasen
In den Wintermonaten reduzieren Dachse ihre Aktivitaet stark. Sie halten jedoch keinen echten Winterschlaf, sondern eine Winterruhe mit gelegentlichen Aussenaktivitaeten.
Ernaehrung
Der Dachs ist ein ausgesprochener Opportunist und Allesfresser. Seine Nahrung variiert stark je nach Jahreszeit und Verfuegbarkeit. In Mitteleuropa machen Regenwuermer oft den groessten Anteil der Nahrung aus, besonders im Fruehjahr und Herbst nach Regenperioden.
Daneben fressen Dachse Insekten und deren Larven, Schnecken, kleine Nagetiere, Vogeleier und Jungvoegel. Im Spaetsommer und Herbst spielen pflanzliche Nahrung wie Beeren, Obst und Mais eine wichtige Rolle beim Aufbau der Fettreserven fuer den Winter.
Nahrungsspektrum im Jahresverlauf
- Fruehling: Regenwuermer, Insektenlarven, Maeuse, erste Fruechte
- Sommer: Kaefer, Wespenlarven, Schnecken, Jungvoegel, Getreide
- Herbst: Beeren, Obst, Mais, Eicheln, Bucheckern, Wurzeln
- Winter: Reduzierte Nahrungsaufnahme, Aas, Vorraete, Wurzeln
Fortpflanzung
Die Paarungszeit der Dachse erstreckt sich von Februar bis Oktober, wobei die meisten Paarungen im Fruehjahr stattfinden. Eine Besonderheit ist die verzoegerte Einnistung (Keimruhe): Die befruchtete Eizelle entwickelt sich erst ab Dezember weiter, sodass die Jungen unabhaengig vom Paarungszeitpunkt im Februar oder Maerz zur Welt kommen.
Ein Wurf umfasst meist zwei bis drei Jungtiere, die blind und fast nackt geboren werden. Etwa acht Wochen bleiben sie im Bau, bevor sie erste Ausflug unternehmen. Mit etwa einem Jahr sind sie weitgehend selbststaendig, bleiben aber oft noch laenger im Familienverband.
Winterruhe
Im Gegensatz zu echten Winterschlaefern wie dem Siebenschlaefer haelt der Dachs nur eine Winterruhe. Bei mildem Wetter kann er auch im Winter aktiv werden, waehrend er bei strenger Kaelte wochenlang im Bau verbleibt.
Vor dem Winter frisst sich der Dachs eine dicke Speckschicht an. Sein Koerpergewicht kann dabei um 50 Prozent zunehmen. Diese Fettreserven sind ueberlebenswichtig, da die Nahrungssuche im Winter nur eingeschraenkt moeglich ist.